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FsRdpServer unter Windows installieren

Vollständige Anleitung von einem frisch aufgesetzten Windows-Server bis zur ersten funktionierenden Client-Verbindung. Jeder Schritt ist einzeln erklärt – Vorkenntnisse zu Zertifikaten oder DNS sind nicht nötig.

1. Was am Ende laufen soll

FsRdpServer ist ein Vermittlungsserver. Er nimmt keine Bildschirminhalte auf und speichert keine Sitzungsinhalte – er verbindet lediglich die Teilnehmer eines Raums miteinander. Alle Clients verbinden sich zum Server, nie direkt zueinander. Deshalb muss ausschließlich der Server erreichbar sein, kein einziger Client.

Nach der Installation lauscht der Dienst auf diesen TCP-Ports:

PortWofürPflicht?
8888Hauptverbindung: Steuerung, Bildschirmbild, Dateien, Fernsteuerungja
8889Sprachübertragung (eigener Kanal)ja
8890Browser-Viewer für Zuschauer ohne installierten Clientoptional, lizenzpflichtig
80Nur zeitweise, falls Sie Zertifikate über Let's Encrypt beziehenoptional

Der Server bindet seine Ports dual-stack, nimmt also IPv4- und IPv6-Verbindungen über denselben Port entgegen. Dafür müssen Sie nichts einstellen.

2. Den frischen Windows-Server vorbereiten

Geeignet sind Windows Server 2019, 2022 und 2025 sowie Windows 10/11 x64. Eine separate .NET-Installation ist nicht nötig – das Programm bringt alles Benötigte mit.

1

Windows vollständig aktualisieren

Einstellungen → Windows Update → Nach Updates suchen, bis keine Updates mehr angeboten werden; zwischendurch neu starten. Ein Server, der später aus dem Internet erreichbar ist, sollte von Anfang an aktuell sein.

2

Uhrzeit und Zeitzone kontrollieren

Das ist wichtiger, als es klingt: Zertifikate und Lizenzen haben Gültigkeitszeiträume. Geht die Serveruhr mehrere Minuten falsch, scheitern Verbindungen mit scheinbar unerklärlichen Fehlern. Öffnen Sie PowerShell als Administrator:

Get-Date
w32tm /resync
3

Feste lokale IP-Adresse vergeben

Der Router muss die Ports später an eine gleichbleibende Adresse weiterleiten. Vergeben Sie dem Server deshalb eine feste IPv4-Adresse – entweder statisch in den Netzwerkeinstellungen oder, bequemer und weniger fehleranfällig, als feste Zuordnung im DHCP-Server Ihres Routers („diesem Gerät immer dieselbe IPv4-Adresse zuweisen“).

Aktuelle Adressen anzeigen:

Get-NetIPAddress -AddressFamily IPv4,IPv6 |
  Where-Object { $_.PrefixOrigin -ne 'WellKnown' } |
  Format-Table IPAddress, InterfaceAlias, PrefixOrigin, SuffixOrigin
4

Prüfen, ob Port 80 belegt ist

Nur wichtig, wenn Sie Ihr Zertifikat über Let's Encrypt beziehen wollen. Ist auf dem Server IIS oder ein anderer Webserver installiert, belegt dieser Port 80 – dann müssen Sie ihn während der Zertifikatsausstellung kurz stoppen oder das Zertifikat auf einem anderen Weg beschaffen.

Get-NetTCPConnection -State Listen -LocalPort 80 -ErrorAction SilentlyContinue
5

Arbeitsordner anlegen und Dateien sammeln

Legen Sie z. B. C:\FsRdp-Setup an und sammeln Sie dort nach und nach: Setup_FSRdpServer.exe, später cert.pfx und license.fsrdp. Notieren Sie das PFX-Passwort in einem Passwortmanager – Sie brauchen es bei jeder Neuinstallation und bei jeder Zertifikatserneuerung wieder.

3. Der Servername: DNS mit A- und AAAA-Record

3.1 Warum ein Name und keine IP-Adresse?

Clients verbinden sich immer über einen DNS-Namen, zum Beispiel server.ihrefirma.de, niemals über eine IP-Adresse. Dafür gibt es zwei zwingende Gründe:

  • Das TLS-Zertifikat ist auf einen Namen ausgestellt. Verbindet ein Client über eine IP-Adresse, passt der Name nicht zum Zertifikat und die Verbindung wird abgelehnt.
  • Ihre Lizenz ist ebenfalls an genau diesen Namen gebunden (LicensedServerHost).

3.2 A-Record und AAAA-Record – was ist das?

Ein DNS-Eintrag übersetzt einen Namen in eine Adresse. Es gibt zwei Sorten, weil es zwei Adressarten im Internet gibt:

EintragZeigt aufBeispiel
A eine IPv4-Adresse (vier Zahlen mit Punkten) 203.0.113.45
AAAA eine IPv6-Adresse (Hexadezimalblöcke mit Doppelpunkten) 2a02:810d:7087:8800::159

Gesprochen wird AAAA als „Quad-A“. Beide Einträge dürfen für denselben Namen gleichzeitig existieren – das ist sogar der Normalfall. Der Client nimmt dann, was sein eigener Anschluss unterstützt, und bevorzugt in der Regel IPv6.

Wichtig: Ein AAAA-Record zeigt auf die IPv6-Adresse des Servers selbst, nicht auf die des Routers. Bei IPv6 hat jedes Gerät im Heim- oder Firmennetz eine eigene, weltweit gültige Adresse – es gibt keine Adressumsetzung wie bei IPv4.

3.3 Ihre öffentlichen Adressen herausfinden

Führen Sie das auf dem Server selbst aus:

# Öffentliche IPv4-Adresse Ihres Anschlusses (die des Routers)
(Invoke-WebRequest -Uri "https://api.ipify.org" -UseBasicParsing).Content

# Öffentliche IPv6-Adresse dieses Servers
(Invoke-WebRequest -Uri "https://api6.ipify.org" -UseBasicParsing).Content

Kommt beim ersten Befehl eine Adresse zurück, haben Sie öffentliches IPv4. Kommt beim zweiten eine Adresse zurück, haben Sie IPv6. Schlägt einer der beiden fehl, unterstützt Ihr Anschluss dieses Protokoll nicht oder es ist nicht freigeschaltet.

3.4 Sonderfall DS-Lite: kein öffentliches IPv4

Viele Kabel- und Glasfaseranschlüsse in Deutschland (verbreitet bei Vodafone Kabel, teils auch bei anderen Anbietern) laufen mit DS-Lite. Dabei bekommt Ihr Anschluss überhaupt keine eigene öffentliche IPv4-Adresse mehr, sondern teilt sich eine mit vielen anderen Kunden. Die Folge ist eindeutig:

  • Eine IPv4-Portweiterleitung im Router bleibt wirkungslos. Sie können sie einrichten, sie wird nie erreicht – von außen führt kein Weg zu Ihrem Anschluss.
  • Nur IPv6 funktioniert. Der Name bekommt also ausschließlich einen AAAA-Record und keinen A-Record.
  • Clients in reinen IPv4-Netzen kommen dann nicht heran. Das betrifft in der Praxis manche Firmennetze und einige Mobilfunk-Zugänge. Wer aus dem Internet zuschauen können muss, braucht entweder IPv6 oder Sie brauchen einen anderen Anschluss.

So erkennen Sie DS-Lite:

  • Der Router zeigt unter „Internet → Online-Monitor“ keine öffentliche IPv4-Adresse, sondern nur IPv6 – oder eine IPv4-Adresse aus dem Bereich 100.64.x.x bis 100.127.x.x.
  • Der Abruf von https://api.ipify.org (siehe 3.3) schlägt fehl, der von api6.ipify.org gelingt.
  • In der FRITZ!Box steht unter „Internet → Zugangsdaten → IPv6“ häufig ausdrücklich „DS-Lite“.

Bei vielen Anbietern lässt sich auf Anfrage kostenlos auf einen Anschluss mit echter IPv4-Adresse umstellen (Stichwort „Dual-Stack statt DS-Lite“). Wenn Ihre Clients aus beliebigen Netzen kommen sollen, ist dieser Anruf die einfachste Lösung.

3.5 Wechselnde Adressen: Dynamic DNS

Privat- und kleine Geschäftsanschlüsse bekommen meist keine feste Adresse. Bei IPv4 ändert sich die öffentliche Adresse; bei IPv6 ändert sich das Präfix, also die vordere Hälfte der Adresse. In beiden Fällen zeigt Ihr DNS-Eintrag irgendwann ins Leere und niemand erreicht den Server mehr.

Es gibt drei Wege:

  • Feste Adresse beim Anbieter buchen. Der sauberste Weg, kostet meist einen kleinen Aufschlag im Monat. Dann tragen Sie A- und AAAA-Record einmal ein und sind fertig.
  • Dynamic-DNS-Dienst nutzen (DynDNS, No-IP, deSEC, dynv6 und andere). Der Router meldet jede Adressänderung an den Dienst. Sie bekommen dort einen Namen wie ihrname.dynv6.net und verweisen Ihren eigenen Namen per CNAME darauf. Achtung: Nicht jeder Dienst aktualisiert auch AAAA-Records – bei DS-Lite ist genau das die entscheidende Fähigkeit.
  • Nur im lokalen Netz betreiben – dann brauchen Sie weder Dynamic DNS noch eine Portfreigabe (siehe 3.8).

3.6 Die Einträge beim DNS-Anbieter setzen

Melden Sie sich bei der Stelle an, die Ihre Domain verwaltet (Ihr Registrar oder Hoster) und legen Sie einen Eintrag für den gewünschten Namen an:

FeldWert (Beispiel)Anmerkung
TypAnur wenn Sie öffentliches IPv4 haben
Name / Hostserverergibt server.ihrefirma.de
Wert203.0.113.45öffentliche IPv4-Adresse des Anschlusses
TTL60010 Minuten – niedrig halten, solange Sie testen
FeldWert (Beispiel)Anmerkung
TypAAAAwenn Sie IPv6 haben – bei DS-Lite zwingend
Name / Hostserverderselbe Name wie oben
Wert2a02:810d:7087:8800::159IPv6-Adresse des Servers, nicht des Routers
TTL600

Änderungen brauchen bis zu einer TTL-Länge, bis sie überall ankommen. Setzen Sie die TTL erst wieder hoch (z. B. 3600), wenn alles läuft.

3.7 Kontrollieren, ob der Name stimmt

Führen Sie das von einem anderen Rechner aus aus, nicht auf dem Server:

Resolve-DnsName server.ihrefirma.de -Type A
Resolve-DnsName server.ihrefirma.de -Type AAAA

Erwartet wird genau die Adresse, die Sie eingetragen haben. Kommt „DNS name does not exist“, ist der Eintrag noch nicht verbreitet oder falsch geschrieben. Kommt eine andere Adresse, liefert Ihnen wahrscheinlich ein zwischengespeicherter Eintrag alte Daten – dann hilft Clear-DnsClientCache.

3.8 Nur im lokalen Netz betreiben

Wenn alle Teilnehmer im selben Firmennetz sitzen, brauchen Sie weder öffentliches DNS noch Portfreigaben. Der Name muss aber trotzdem existieren, weil Zertifikat und Lizenz daran hängen. Zwei Möglichkeiten:

  • Internes DNS (z. B. der DNS-Dienst Ihres Active Directory): Legen Sie dort server.ihrefirma.de mit der lokalen IP-Adresse an. Das ist der saubere Weg.
  • hosts-Datei auf jedem Client – nur für kleine Tests sinnvoll. In C:\Windows\System32\drivers\etc\hosts eintragen:
    192.168.1.50    server.ihrefirma.de

Ein hosts-Eintrag ändert nur die Namensauflösung. Er ersetzt weder die Namensprüfung des Zertifikats noch die Lizenzbindung – das Zertifikat muss weiterhin auf server.ihrefirma.de lauten.

4. Router, Portfreigaben und Firewall

Zwischen einem Client im Internet und Ihrem Server stehen zwei Hindernisse: der Router und die Windows-Firewall. Um die Windows-Firewall kümmert sich das Setup automatisch; den Router müssen Sie selbst einstellen.

4.1 IPv4: Portweiterleitung

Bei IPv4 hat Ihr Netz nur eine öffentliche Adresse, die sich alle Geräte teilen. Der Router muss deshalb wissen, an welches Gerät er ankommende Verbindungen weiterreichen soll. Legen Sie für jeden Port eine Regel an:

ProtokollPort von außenZiel-GerätPort am Gerät
TCP8888Ihr Server8888
TCP8889Ihr Server8889
TCP8890Ihr Server8890

In der FRITZ!Box: Internet → Freigaben → Portfreigaben → Gerät für Freigaben hinzufügen, dort den Server wählen und je eine Freigabe anlegen.

4.2 IPv6: Freigabe statt Weiterleitung

Bei IPv6 gibt es keine Adressumsetzung – jedes Gerät ist schon von außen adressierbar. Der Router leitet also nichts um, sondern öffnet nur seine Firewall für dieses Gerät und diesen Port. In der Oberfläche heißt das trotzdem meist „Portfreigabe“, mit einer Auswahl wie „Internetzugriff über IPv6“.

4.3 Port 80 – nur für Let's Encrypt

Beziehen Sie Ihr Zertifikat über Let's Encrypt, muss die Zertifizierungsstelle prüfen, dass Ihnen der Name wirklich gehört. Der einfachste Prüfweg läuft über Port 80. Sie brauchen dafür eine Freigabe auf Port 80 zu Ihrem Server – und zwar dauerhaft, weil die Erneuerung alle 60 Tage automatisch abläuft.

Router warnen an dieser Stelle gern vor Sicherheitsrisiken. Die Warnung zielt auf einen dauerhaft laufenden Webserver. Wenn auf Port 80 nur während der wenigen Sekunden einer Zertifikatsausstellung ein Programm lauscht und sonst nichts, ist das Risiko gering.

4.4 Die Windows-Firewall

Darum kümmert sich das Setup: Es legt die eingehenden Regeln FSRdpServer Main, FSRdpServer Audio und – wenn Sie den Browser-Viewer aktivieren – FSRdpServer WebGateway an. Die Regeln gelten nur für das Serverprogramm selbst, nicht für den Port allgemein. Verwenden Sie eine zusätzliche Sicherheitssoftware, müssen Sie die Ports dort gegebenenfalls von Hand freigeben.

5. Das TLS-Zertifikat (PFX-Datei) im Detail

5.1 Was ist eine PFX-Datei?

cert.pfx ist ein passwortgeschützter Behälter im Format PKCS#12. Darin stecken drei Dinge:

  • das Serverzertifikat – der öffentliche Ausweis für Ihren Servernamen;
  • der private Schlüssel – das Geheimnis, das beweist, dass der Ausweis Ihnen gehört;
  • meist zusätzlich die Zwischenzertifikate der ausstellenden Stelle.

FsRdpServer verschlüsselt damit alle Verbindungen, genau wie ein Webserver sein HTTPS-Zertifikat verwendet. Ohne gültiges Zertifikat startet der Dienst nicht.

5.2 Welchen Namen muss das Zertifikat tragen?

Das Zertifikat muss den lizenzierten Servernamen als Subject Alternative Name (SAN) enthalten. Zwei Varianten sind zulässig:

  • Ein Wildcard-Zertifikat für *.ihrefirma.de – deckt server.ihrefirma.de mit ab und lässt sich später für weitere Server wiederverwenden.
  • Ein Zertifikat nur für diesen einen Namen, also server.ihrefirma.de. Günstiger, aber nicht übertragbar.

Die PFX-Datei darf genau ein Zertifikat mit privatem Schlüssel enthalten. Enthält sie mehrere, verweigert der Server den Start mit einer eindeutigen Meldung.

5.3 Weg A: Zertifikat kaufen und als PFX exportieren

Der übliche Weg, wenn Sie ohnehin eine Domain bei einem Hoster haben. Sie bestellen dort ein Zertifikat, bekommen es ausgestellt und exportieren es unter Windows als PFX.

1

Zertifikat beim Anbieter bestellen

Bei Ihrem Domain-Anbieter (z. B. HostEurope, IONOS, GoDaddy) ein Zertifikat für server.ihrefirma.de oder *.ihrefirma.de bestellen. Der Anbieter führt Sie durch die Eigentumsprüfung, meist per E-Mail oder DNS-Eintrag.

2

Zertifikat installieren

Der Anbieter liefert entweder eine fertige PFX-Datei – dann sind Sie hier fertig – oder Zertifikatsdateien, die Sie in den Windows-Zertifikatspeicher importieren. Doppelklick auf die Datei, Speicherort Lokaler Computer, Ablage unter Eigene Zertifikate.

3

Als PFX exportieren

certlm.msc starten (Zertifikate für den lokalen Computer). Unter Eigene Zertifikate → Zertifikate das Zertifikat suchen, rechte Maustaste → Alle Aufgaben → Exportieren. Dann:

  • Ja, privaten Schlüssel exportieren – ohne ihn ist die Datei wertlos.
  • Format: PKCS#12 (.PFX).
  • Wenn möglich, alle Zertifikate im Zertifizierungspfad einbeziehen ankreuzen – damit landen die Zwischenzertifikate mit in der Datei.
  • Ein Passwort vergeben (Verschlüsselung AES256-SHA256 wählen, falls angeboten).
  • Als cert.pfx speichern.

5.4 Weg B: Kostenlos über Let's Encrypt

Funktioniert nur, wenn Ihr Servername öffentlich im DNS steht und die Zertifizierungsstelle Ihren Server erreichen kann. Unter Windows ist win-acme das gängige Werkzeug (kostenlos, von win-acme.com).

1

win-acme herunterladen und starten

ZIP entpacken, wacs.exe als Administrator ausführen. Es erscheint ein Menü im Konsolenfenster.

2

Zertifikat mit allen Optionen anlegen

Den Punkt für ein Zertifikat mit vollständigen Optionen wählen, als Quelle die manuelle Eingabe und dort server.ihrefirma.de eintragen. Als Prüfverfahren die HTTP-Validierung wählen, bei der win-acme selbst kurz auf Port 80 lauscht.

3

Als PFX-Datei ablegen lassen

Bei der Frage nach dem Speicherort die PFX-Datei wählen (nicht nur den Windows-Zertifikatspeicher), einen Zielordner wie C:\FsRdp-Setup\certs und ein Passwort angeben. win-acme richtet anschließend selbst eine geplante Aufgabe für die automatische Erneuerung ein.

Haben Sie das Zertifikat auf anderem Weg als fullchain.pem und privkey.pem vorliegen, bündeln Sie es mit OpenSSL:

openssl pkcs12 -export -out cert.pfx ^
  -inkey privkey.pem -in fullchain.pem

Das Passwort fragt OpenSSL danach interaktiv ab – so landet es nicht im Verlauf der Eingabeaufforderung.

5.5 Weg C: Zertifikat der eigenen Firmen-CA

Nur für rein interne Installationen sinnvoll. Sie stellen das Zertifikat selbst aus – dann muss aber jeder Client Ihrer Firmen-CA ausdrücklich vertrauen, sonst schlägt jede Verbindung fehl. Für den Browser-Viewer ist dieser Weg unbrauchbar, weil jeder Browser eine Warnseite zeigen würde.

5.6 Die PFX-Datei vor der Installation prüfen

Machen Sie das unbedingt vorher – ein falsches Zertifikat merkt man sonst erst, wenn das Setup abbricht:

$pfx = Get-PfxCertificate -FilePath C:\FsRdp-Setup\cert.pfx
$pfx | Format-List Subject, NotBefore, NotAfter, HasPrivateKey, Thumbprint
$pfx.Extensions |
  Where-Object { $_.Oid.FriendlyName -eq 'Subject Alternative Name' } |
  ForEach-Object { $_.Format($true) }

Achten Sie auf drei Punkte:

  • HasPrivateKey muss True sein.
  • NotAfter muss in der Zukunft liegen.
  • In der SAN-Liste muss Ihr lizenzierter Name stehen – bei einem Wildcard-Zertifikat entsprechend *.ihrefirma.de.

5.7 Ablauf im Kalender eintragen

Zertifikate laufen ab: gekaufte meist nach einem Jahr, die von Let's Encrypt nach 90 Tagen. Läuft das Zertifikat ab, verbindet sich kein Client mehr – und zwar schlagartig. Tragen Sie sich eine Erinnerung zwei Wochen vor NotAfter ein, oder richten Sie eine automatische Erneuerung ein (win-acme macht das selbst; der Dienst muss danach neu gestartet werden, siehe Abschnitt 11).

6. Die Lizenz anfordern

FsRdpServer startet ausschließlich mit einer gültigen, signierten Lizenzdatei license.fsrdp. Sie ist an zwei Dinge gebunden: an Ihren Servernamen und an eine dauerhafte Installations-ID, die auf dem Server erzeugt wird.

Teilen Sie mir für die Ausstellung mit:

  • den exakten DNS-Namen, den die Clients verwenden werden;
  • wie viele Räume gleichzeitig laufen sollen;
  • wie viele Teilnehmer pro Raum;
  • die gewünschte Laufzeit;
  • ob Sie den Browser-Viewer, die Sitzungsaufnahme oder Live-Untertitel nutzen möchten – diese Funktionen müssen in der Lizenz freigeschaltet sein.

Bereits installierte Server zeigen ihre ID so an:

& "$env:ProgramFiles\FsRdpServer\FsRdpServer.exe" --installation-id

7. Das Setup ausführen

Sie brauchen jetzt: Setup_FSRdpServer.exe, cert.pfx samt Passwort und license.fsrdp.

1

Als Administrator starten

Setup_FSRdpServer.exe mit der rechten Maustaste anklicken und Als Administrator ausführen wählen. Ohne Administratorrechte kann das Setup weder den Dienst noch die Firewallregeln anlegen.

2

Ports festlegen

Die Vorschläge 8888 und 8889 passen fast immer. Auf derselben Seite finden Sie das Kontrollkästchen für den Browser-Viewer samt zugehörigem Port (8890). Kreuzen Sie es nur an, wenn Ihre Lizenz diese Funktion enthält. Der ebenfalls dort angebotene Demo-Modus ist für Interessenten ohne Lizenzschlüssel gedacht und im Normalbetrieb aus.

3

Zertifikat und Passwort angeben

Die cert.pfx auswählen und auf der nächsten Seite ihr Passwort eingeben.

4

Lizenzdatei auswählen

Die von mir gelieferte license.fsrdp auswählen.

5

Prüfung abwarten

Bevor irgendetwas kopiert wird, prüft das Setup:

  • Signatur und Gültigkeit der Lizenz;
  • die Installations-ID;
  • den lizenzierten Hostnamen;
  • das PFX-Passwort und den privaten Schlüssel;
  • Gültigkeitszeitraum, Verwendungszweck und Namen des Zertifikats;
  • die Zertifikatskette;
  • ob sich der lizenzierte Hostname per DNS auflösen lässt.

Was das Setup danach einrichtet:

ProgrammdateienC:\Program Files\FsRdpServer
Daten und GeheimnisseC:\ProgramData\FsRdpServer mit appsettings.json, cert.pfx, license.fsrdp, server-instance-id.txt und Logs\
DienstFsRdpServer, verzögerter Autostart, läuft als LocalSystem, startet nach Fehlern automatisch neu
Firewalleingehende Regeln für die konfigurierten Ports
Zugriffsrechteder Datenordner wird auf SYSTEM und lokale Administratoren beschränkt

8. Prüfen, ob alles läuft

PowerShell als Administrator öffnen und der Reihe nach durchgehen.

Läuft der Dienst?

Get-Service -Name FsRdpServer

Der Status muss Running sein.

Lauschen beide Ports?

Get-NetTCPConnection -State Listen -LocalPort 8888,8889

Sind die Firewallregeln da?

Get-NetFirewallRule -DisplayName "FSRdpServer Main","FSRdpServer Audio"

Was sagt die Lizenz?

& "$env:ProgramFiles\FsRdpServer\FsRdpServer.exe" --license-status

Die vollständige Selbstprüfung:

& "$env:ProgramFiles\FsRdpServer\FsRdpServer.exe" `
  --validate-installation `
  --validation-data-dir "$env:ProgramData\FsRdpServer"

Rückgabewert 0 heißt: alles in Ordnung. Rückgabewert 3 heißt: Warnungen, etwa weil DNS noch nicht auflöst oder die Zertifikatskette lokal nicht vollständig prüfbar ist. Lesen Sie die Warnung vollständig und fahren Sie nur fort, wenn Sie ihre Ursache verstanden haben. Jeder echte Fehler muss vor der Inbetriebnahme behoben werden.

Die letzten Protokolldateien ansehen:

Get-ChildItem "$env:ProgramData\FsRdpServer\Logs" |
  Sort-Object LastWriteTime -Descending |
  Select-Object -First 10

9. Browser-Viewer auf Port 8890 mit eigenem Zertifikat

Der Browser-Viewer erlaubt Zuschauern, ohne installierten Client teilzunehmen – sie öffnen einfach https://server.ihrefirma.de:8890/. Die Funktion ist standardmäßig aus und braucht zwei Schalter: die Freigabe in der Lizenz und die Aktivierung in der Konfiguration.

9.1 Warum ein zweites Zertifikat sinnvoll ist

Für die nativen Clients genügt jedes Zertifikat, dem die Clients vertrauen – auch eines aus Ihrer eigenen Firmen-CA. Ein Browser ist strenger: Er zeigt jedem Besucher eine Warnseite, wenn das Zertifikat nicht von einer öffentlich anerkannten Stelle stammt. Genau dafür können Sie dem Browser-Viewer ein eigenes, öffentlich vertrauenswürdiges Zertifikat geben, ohne das Zertifikat der nativen Kanäle anzufassen.

9.2 Einrichten

1

Öffentlich vertrauenswürdiges Zertifikat besorgen

Zum Beispiel über win-acme (siehe 5.4) als C:\FsRdp-Setup\certs\webgateway.pfx. Es muss auf denselben Namen lauten, unter dem Besucher die Seite aufrufen.

2

Konfiguration ergänzen

C:\ProgramData\FsRdpServer\appsettings.json als Administrator im Editor öffnen und die beiden Werte eintragen:

"WebGatewayEnabled": true,
"WebGatewayPort": 8890,
"WebGatewayCertificatePath": "C:\\FsRdp-Setup\\certs\\webgateway.pfx",
"WebGatewayCertificatePassword": "IhrPasswort",

Beachten Sie die doppelten Backslashes – in JSON muss jeder Backslash verdoppelt werden. Ein Pfad mit einfachem Backslash macht die Datei ungültig und der Dienst startet nicht mehr.

3

Dienst neu starten und prüfen

Restart-Service -Name FsRdpServer
Get-NetTCPConnection -State Listen -LocalPort 8890

Danach https://server.ihrefirma.de:8890/ im Browser aufrufen. Erscheint keine Zertifikatswarnung, ist alles richtig.

Vergessen Sie die Portfreigabe für 8890 im Router nicht (Abschnitt 4). Ohne aktivierten Browser-Viewer legt das Setup auch keine Firewallregel für diesen Port an – die können Sie im Setup nachträglich aktivieren, indem Sie es erneut ausführen.

9.3 Erneuerung nicht vergessen

10. Der erste Verbindungstest

1

Client auf einem anderen Rechner installieren

Nicht auf dem Server selbst testen – damit übersehen Sie jedes Router- und Firewall-Problem. Die Client-Anleitung beschreibt die Installation.

2

Im Client den Servernamen eintragen

Exakt den lizenzierten Namen, keine IP-Adresse, und die Ports 8888 und 8889.

3

Mit zwei Geräten in denselben Raum verbinden

Erst mit zwei Teilnehmern zeigt sich, ob Bild und Ton tatsächlich durchlaufen.

11. Laufender Betrieb

Sicherung

Sichern Sie C:\ProgramData\FsRdpServer – aber an einen Ort mit ebenso engen Zugriffsrechten, denn dort liegen PFX und Passwort.

Server aktualisieren

Eine neuere Setup_FSRdpServer.exe als Administrator ausführen. Konfiguration, Zertifikat, Lizenz, Installations-ID, Raumreservierungen und Protokolle bleiben erhalten – auch die Einstellungen für das Browser-Viewer-Zertifikat.

Lizenz austauschen

Stop-Service -Name FsRdpServer
Copy-Item ".\license.fsrdp" "$env:ProgramData\FsRdpServer\license.fsrdp" -Force
& "$env:ProgramFiles\FsRdpServer\FsRdpServer.exe" `
  --validate-installation `
  --validation-data-dir "$env:ProgramData\FsRdpServer"
Start-Service -Name FsRdpServer

Starten Sie den Dienst nicht, wenn die Validierung fehlschlägt. Wurde die Lizenz mit einer geänderten Supporter-Anzahl neu erzeugt, können sich alle Supporter-Schlüssel geändert haben – verteilen Sie die neuen Schlüssel dann zeitnah.

Zertifikat austauschen

Stop-Service -Name FsRdpServer
Copy-Item ".\cert.pfx" "$env:ProgramData\FsRdpServer\cert.pfx" -Force
# Falls sich das Passwort geändert hat: appsettings.json anpassen
Start-Service -Name FsRdpServer

Danach die Selbstprüfung aus Abschnitt 8 wiederholen.

12. Häufige Probleme

Der Name im Zertifikat passt nicht

Client-Name, Zertifikatsname und lizenzierter Hostname sind unterschiedlich. Prüfen Sie alle drei und verbinden Sie sich immer mit dem lizenzierten Namen.

RevocationStatusUnknown

Die ausstellende Stelle veröffentlicht keine erreichbare Sperrliste. Typisch bei einer eigenen Firmen-CA. Für öffentliche Installationen sollten Sie ein Zertifikat mit regulärer Sperrprüfung verwenden. Die Zertifikatsprüfung global abzuschalten ist keine Lösung.

Falsches PFX-Passwort oder fehlender Schlüssel

Prüfen Sie mit Get-PfxCertificate (Abschnitt 5.6), ob HasPrivateKey auf True steht und das Passwort stimmt. Die Datei darf genau ein Zertifikat mit privatem Schlüssel enthalten.

Die Lizenz gehört zu einer anderen Installation

Die server-instance-id.txt wurde ersetzt oder gelöscht. Stellen Sie die ursprüngliche Datei aus der Sicherung wieder her oder fordern Sie eine neue Lizenz für die aktuelle ID an. Die signierte Lizenzdatei darf nie von Hand bearbeitet werden.

Der Dienst läuft, aber kein Client verbindet sich

Arbeiten Sie die Kette von außen nach innen ab:

  1. Löst der Name beim Client zur richtigen Adresse auf? (Resolve-DnsName)
  2. Ist die Portfreigabe im Router aktiv – und bei DS-Lite auch für IPv6?
  3. Lauscht der Server auf beiden Ports? (Get-NetTCPConnection)
  4. Existieren die Firewallregeln?
  5. Was steht in den Protokollen unter C:\ProgramData\FsRdpServer\Logs?

Alles lief, seit heute nicht mehr

Zwei Klassiker: Das Zertifikat ist abgelaufen, oder die öffentliche Adresse Ihres Anschlusses hat sich geändert und der DNS-Eintrag zeigt ins Leere. Prüfen Sie zuerst NotAfter des Zertifikats und danach, ob der DNS-Eintrag noch zur aktuellen Adresse passt.

Sie kommen an einer Stelle nicht weiter? Melden Sie sich – Servername, Zertifikat und Lizenz stimmen wir gerne gemeinsam ab.

Robert Fischbacher

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